MLE-HSG

Der Studiengang „Master of Arts HSG in Law and Economics“ (MLE) wurde im Rahmen der Neukonzeption der Lehre entsprechend dem Bologna-Modell (dreistufiges Studienmodell mit Bachelor-, Master- und Doktorgrad) neben dem rein juristischen Lehrgang von den Gremien der Universität St. Gallen (HSG) beschlossen und mit einem Jahr Verzögerung im Vergleich zu den anderen HSG-Studienprogrammen in Gang gesetzt (erstes Bachelor-Jahr 2003/04, erstes Master-Jahr 2005/06). Im Gegensatz zum ersten juristischen Studiengang „Master of Arts HSG in Law“ bietet das MLE-Programm neben der juristischen Ausbildung eine zusätzliche Qualifikation in Wirtschaftswissenschaften an. Der Anteil der Rechtswissenschaften umfasst dabei zwei Drittel, und der ökonomische Anteil ein Drittel des Studiums. Die Zusatzqualifikation in den ökonomischen Disziplinen spiegelt die bekannten Stärken der Universität St. Gallen wider und verleiht dem Studiengang ein klares wirtschaftsorientiertes und damit wirtschaftsrechtliches Profil.

Durch die Verbindung der zwei Disziplinen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften schliesst der neu konzipierte Studiengang eine wichtige Lücke, die heute sowohl in der juristischen als auch ökonomischen Ausbildung besteht. Das angestrebte vertiefte Verständnis der Zusammenhänge von Recht und Wirtschaft soll den Absolvierenden dieses Studiengangs ermöglichen, aufgrund ihrer juristischen und ökonomischen Kenntnisse professionelle Lösungen für wirtschaftsrechtliche Problemstellungen zu finden. Dabei ist die wirtschaftsjuristische Ausrichtung in eine generalistische Rechtsausbildung eingebettet, welche die Absolvent(inn)en auch befähigen soll, die Rechtsanwaltslaufbahn einzuschlagen. Mit dem Abschluss „M.A. HSG in Rechtswissenschaft mit Wirtschaftswissenschaften“ werden die Voraussetzungen erfüllt, die das Bundesgesetz vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (Anwaltsgesetz, BGFA) für die Zulassung zur Rechtsanwaltsausbildung und anschliessenden Anwaltsprüfung aufstellt, nämlich über „ein juristisches Studium, das mit einem Lizentiat einer schweizerischen Hochschule […] abgeschlossen wurde“, zu verfügen (vgl. Art. 7 Abs. 1a BGFA).

Neben der Anwaltstätigkeit, die traditionellerweise die gerichtliche Vertretung umfasst, hat sich in der juristischen Praxis auch ein weites, von staatlicher Regulierung freies Beratungsfeld entwickelt. Es beinhaltet einerseits die Fragen der grenzüberschreitenden Wirtschaftstätigkeit und die Vertretung vor Schiedsgerichten, welche eine wichtige Rolle bei der Beilegung komplexer wirtschaftlicher Konflikte spielen. Andererseits umfasst es zunehmend die rechtliche Beratung im strategischen Management. Hier geht es nicht nur um die Beratung über fremdes Recht, sondern die rechtlichen Faktoren gehören zu den wesentlichen Rahmenbedingungen von Managemententscheidungen. Diese neuen Anforderungen verlangen nach zusätzlichen und neuen Ausbildungsinhalten.

Die Schaffung des Kombinationsstudiengangs Law and Economics entspricht diesem aktuellen, sich weltweit abzeichnenden Trend, dass juristische Arbeit (in der Forschung, zunehmend auch in der Falllösung) vermehrt nur in engem Dialog mit ökonomischen betriebs- und volkswirtschaftlichen Betrachtungsweisen möglich ist. Juristen, seien sie Unternehmensjuristen oder externe Berater, sollten in wirtschaftliche Entscheidungen eingebunden werden und als vollwertige Partner daran teilnehmen. Dies setzt aber voraus, dass Juristen in ökonomischen Themengebieten dialogfähig sind. Zusammenfassend soll das „Doppellwissen“ auch der Verbesserung des Dialogs zwischen Juristen und ökonomen im Berufsalltag dienen.

Durch den multi- und interdisziplinären Charakter der Ausbildung haben die Studierenden der Studienrichtung „Law and Economics“ konstant einen intensiven Kontakt zu Studierenden anderer Fachgebiete an der Universität St. Gallen (HSG) während des gesamten Studiums. Durch die soziale Interaktion erfahren sie, wie ökonomen denken und „funktionieren“. Somit lernen die Studierenden die unterschiedlichen Denkweisen und Kulturen jeweils anderer Disziplinen aus nächster Nähe kennen und respektieren. Diese Erfahrungen sind besonders wertvoll für die spätere Berufstätigkeit, denn es sind häufig Missverständnisse auf kultureller Ebene, Vorurteile oder mangelnder Respekt gegenüber der jeweils anderen Disziplin, welche zu ineffizienten Abläufen und Fehlentscheidungen führen.

Die Bachelor-Ausbildung BLE dauert drei Jahre. Danach folgt das Master-Programm, das auf vier Semester ausgelegt ist. Die ersten MLE-Absolventen haben im Jahre 2007 ihr Studium abgeschlossen.