Was ist «Law and Economics»

Kurz gesagt, viel mehr als die blosse Verbindung von Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Die Interaktionen dieser beiden Disziplinen lässt sich aus verschiedenen Perspektiven beschreiben.

In Bezug auf das BLE/MLE-Programm geht es um die Integration von Recht und Ökonomie in einem Kombinationsstudium und demnach um die Verbindung einer juristischen Grundausbildung, die den Zugang zur Anwaltsausbildung verschafft, mit wirtschaftswissenschaftlichen Elementen.

Aus Sicht der Praxis stellen sich Herausforderungen, die nach einer engen Verknüpfung von rechtlichen und wirtschaftlichen Problemlösungen verlangen, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor. Die Juristen sollten dabei in der Lage sein, mit Hilfe der ökonomischen Methodik die Bezüge zur praktischen juristischen Arbeit aus der einzel- und gesamtwirtschaftlichen Perspektive herzustellen und mit der juristisch-ökonomischen Schnittstellenproblematik umzugehen. Dafür müssen sie auch über ökonomische Grundkenntnisse verfügen. Diese Integration von juristischen und ökonomischen Kompetenzen ist in zahlreichen Bereichen, wie dem gesellschafts- und unternehmensrechtlichen Kontext, dem Steuerrecht, dem Wettbewerbsrecht oder dem Wirtschaftsstrafrecht, notwendig; ferner ist sie hinsichtlich Fragestellungen betreffend der Regulierung des Finanzmarktes bzw. der Rechnungslegung als einer spezifischen Form der Kapitalmarktregulierung einerseits und eines Instruments der Bilanzpolitik zur Erreichung der Ziele der Unternehmensstrategien andererseits von Bedeutung. Daneben sind die Bereiche Litigation sowie Arbitration stark von ökonomischen Aspekten geprägt, insbesondere das Gebiet der schadensersatzrechtlichen Ansprüche.

Neben diesen praktischen Implikationen ist “Law and Economics” vor allem auch eine wissenschaftliche und – vorwiegend in den USA mit einer langen Tradition ausgestattete – universitäre Disziplin, die im deutschsprachigem Raum ursprünglich unter der Bezeichnung “ökonomische Analyse des Rechts” Bekanntheit erlangt hat. Ziel ist es dabei, Erkenntnisse über die wirtschaftliche Auswirkung untersuchter Normen zu gewinnen. Somit können etwa Vorhersagen gemacht werden über die Konsequenzen von Gesetzesrevisionen oder über Nutzen und Wirksamkeit sowie Kosteneffizienz von Gesetzen und anderweitiger Vorschriften. Instrumente solcher normativer Bewertungen sind ökonomische Modelle. Die “Law and Economics”-Perspektive ist somit auch von eminenter Bedeutung für die Gesetzgebung und Selbstregulierung, wobei Markt und Unternehmung zwei grundlegende Säulen dieses Ansatzes bilden.